Wo bist du genau und was ist dort alles? Wieso bist du dort gelandet, und nicht wo anders?
Ich wohne in der nähe von Asti (Nord-westitalien), in einem kleinen Dorf namens Motta di Costigliole. In Motta selbst ist eigentlich nichts Besonderes anzutreffen. Ein oder zwei Bars, eine Pizzeria und einen Supermarkt. Asti hingegen ist die voll geile Stadt. Also man kann gut shoppen und das Wichtigste: Es gibt zwei extrem gute Discos. Was mir noch sehr gut an Asti gefällt ist, dass immer irgendwelche Veranstaltungen sind und einem dadurch nie langweilig wird.
Zuerst wollt ich ein englischsprachiges Land wählen, da ich mein schlechtes Englisch ein wenig verbessern wollte! AFS hat mir davon abgeraten, weil die Nachfrage in diesen Ländern sehr groß ist, sodass es nicht sicher ist, ob ich einen fixen Platz bekomme. Ein anderer Grund war, weil sie gemeint haben, dass ich dann in Italienisch extreme Probleme haben werde! Daher wählte ich Italien.
Was machst du dort?
In erster Linie lerne ich hier Italienisch. Natürlich nicht den ganzen Tag. Ich schätze auf eine Stunde pro Tag. Ich lese sogar schon italienische (Kinder-)Bücher. Ich treffe mich oft in Asti, nach der Schule, mit dem zweiten Austauschstudenten in der Provinz Asti. Dreimal in der Woche gehe ich zum Basketballtraining.
Mit Abstand die meiste Zeit verbringe ich in der Bar meiner Gastmutter. Diese ist eine kleine klassische italienische Cafébar in Motta. Obwohl zum Großteil nur alte Leute in die Bar kommen, macht es extrem viel Spaß. Ich spiele oft mit ihnen Karten und Schach. Dadurch, dass ich so viel Zeit in der Bar verbringe hat sich mein Italienisch wesentlich verbessert.
Wie war der erste Tag für dich? Vermisst du Österreich?
Der erste Tag war einfach nur „WOW!“. Einerseits war es extrem geil und andererseits sehr nervig. Meine Schwester hat mich am ersten Tag in die Schule gebracht. Wir gingen zum Lehrerzimmer wo schon eine Lehrerin meiner neuen Klasse auf mich wartete. Ich ging mit ihr in die Klasse. Ich hatte extremes Herzklopfen. Sie stellte mich der Klasse vor und ich hab mich auf den erst besten Platz gesetzt. In der kommenden Pause kam dann der nervige Teil dran! Jeder kam zu mir und fragte mich wie es mir geht und warum ich hier bin. Die üblichen Fragen.
Um ehrlich zu sein, vermisse ich ausschließlich meine Freunde und meine Familie. Heimweh habe ich aber keines, weil ich mich wie Zuhause fühle!
Was macht die Schule? Wie ist die Schule dort?
Es war eine komplette Umstellung für mich! Ich musste mich daran gewöhnen, dass ich Samstags Schule habe und nur ein oder manchmal zwei Pausen pro Tag habe! Ich kann noch immer nicht damit leben. In Österreich, konnte ich mir wenigstens einen Kaffe oder eine Cola kaufen, wenn ich mal müde war. Hier kann ich das eben nur zwei mal pro Tag. (Anm.d.Red.: „eine Cola“ = Zeichen dafür, dass den Schülern endlich Österreichisch unterrichtet werden soll und nicht mehr Deutsch!)
In meiner Schule kommt der Lehrer in die Klasse, schlagt das Buch auf und redet eine Stunde lang über das Thema und die Schüler müssen mitschreiben, um die Tests bestehen zu können! Also extrem eintöniger Unterricht! Seit dem ich das gesehen habe, schätze ich das österreichische Schulsystem sehr.
Ich hab immer gedacht, dass wir in Österreich schon extrem Stress haben wegen den Prüfungen. In Italien ist es viel schlimmer! Man hat in meiner Schule drei schriftliche- und drei mündliche Prüfungen pro Jahr. Das heißt, jede Woche mindestens zwei Tests!
Sind in der Schule viele internationale Schüler, oder bist du sozusagen etwas ganz Neues, Unbekanntes?
Ich bin definitiv was Neues und Unbekanntes, aber im positiven Sinne. Die Schüler sind extrem interessiert an mir, was mich am Anfang schon gewundert hat. Ich dachte mir einfach, dass das nach ein bis zwei Wochen aufhören würde. Tat es aber nicht einmal nach zwei Monaten. Jeder der mich neu kennenlernt, fragt mich immer wie es mir geht usw.
Kommst du mit dem ganzen italienischen Gequassel zurecht? Nimmst du noch Extra-Unterricht für Italienisch?
Am Anfang kam ich damit gar nicht zurecht. Mich hat es regelrecht genervt! Ich war deswegen jeden Tag nach der Schule zerstört! Ich kam nachhause, habe schnell etwas gegessen und legte mich für zwei Stunden nieder. Jetzt geht's schon sehr gut. Ich schaue täglich Filme (und verstehe sie auch). Ich verstehe schon sehr viel, wenn man mich was fragt oder so, aber das auch nur in normalen Gesprächen! In der Schule verstehe ich weiterhin nichts, weil die Lehrer zu schnell sprechen!
Das ich einen Extra Unterricht nehme, kann man nicht wirklich sagen. Ich habe einmal pro Woche Italienischkurs, der aber von AFS vorgesehen ist. Dort lerne ich hauptsächlich Grammatik und Rechtschreibung.
Wie hast du dein Jahr geplant? Setzt du dir gewisse Ziele bis zum Ende, oder lässt du einfach alles auf dich zukommen?
Generell plane ich nichts vor! Ich bin ein sehr spontaner Mensch. Ziele habe ich mir schon vorgesetzt, aber um ehrlich zu sein nur schulische Ziele! Zum Beispiel will ich den Großteil des Stoffes den ich für die 7. in Wien zu lernen habe in diesem Jahr mitlernen, sodass ich nicht alles im Sommer nachlernen muss! Deswegen habe ich mir alle meine Schulbücher nachschicken lassen, um in den Stunden in denen ich generell nichts verstehe ein wenig an ihnen arbeiten zu können! Zum Glück habe ich diese Bücher, sonst wüsste ich teilweise nicht was ich machen sollte, da ich nicht mitschreiben kann!
Bist du jetzt einfach der Peter dort, oder noch immer „der Österreicher“? Ist es gut oder schlecht, wenn man sich dort als „normaler Schüler“ eingebürgert hat? Welche Vorteile nützt man an der Schule, wenn man ein Austauschschüler ist?
Der Alltag ist seit der zweiten Woche schon eingekehrt! Das heißt, ich blödle mit meinen Klassenkameraden genauso herum wie in Österreich! Ich bin der Peter wie Zuhause und das ist schön so!
Für mich ist es eindeutig besser der einfache Peter zu sein, weil ich es nicht mag außergewöhnlich aufzufallen. Vor allem, weil sie mich genauso respektieren, wie wenn ich kein Austauschstudent wäre!
Ich habe genau gar keine Vorteile gegenüber den ‚normalen‘ Schülern! Ich muss genauso mitlernen (das betrifft zur Zeit nur Zeichnen, Englisch und Turnen), Hausaufgaben machen (in Englisch) wie alle anderen. Einen einzigen kleinen Vorteil den ich noch habe ist, dass ich noch nicht in allen Fächern mitlernen muss, weil meine Italienischkenntnisse noch nicht so gut sind!
Zu aller letzt kann ich echt Jedem ein Austauschjahr (oder nur halbes Jahr) weiter empfehlen, weil es eine riesige Erfahrung ist, und man eine Sprache perfekt lernt, eine neue Kultur und viele neue Leute!

